Eintrag vom 28.09.2004

Ankunft und erster Eindruck von Jerusalem

Ich stieg [in Tel Aviv] aus dem Flugzeug aus und bekam einen Schlag. Es war um diese Zeit noch fast 28C° warm. Im Flughafengebäude musste ich mein Visum ausfüllen und durch die Passkontrolle. Danach wurde ich von einer Frau rausgepickt. Diese nahm mir meinen Pass weg, sagte ich solle warten und verschwand mit meinem Reisepass. Da stand ich nun wie blöd. Nach einiger Zeit kam ein Mann und stellte mir Fragen, wie z.B.: "Was wollen sie hier machen? Wieso sind sie hier? Wo wollen sie hin? Was haben sie vor? Kennen sie hier jemanden? Wie haben sie die Reise finanziert? Was arbeiten ihre Eltern...". Nachdem ich fast immer wahrheitsgemäß geantwortet hatte, bekam ich meinen Pass wieder und durfte nach 15 Min. gehen. Sofort holte ich meine Tasche und bin raus. Ich stieg in ein so genanntes "Chirut" (Sammeltaxi) ein, welches mich nach Jerusalem fuhr. Gegen 5.00 Uhr bin ich am Damaskus Gate in Jerusalem angekommen. Der Taxifahrer warf mich aber an einem Punkt raus, wo kein Tor zu sehen war, aber von hier aus sollte ich Waldemar mit dem Handy anrufen, damit er mich abholt. Ich rief die Nummer an, aber erst meldete sich eine Frau auf hebräisch und sagte etwas. Also veränderte ich die Vorwahl von der Nummer, aber nach 10 Versuchen viel mir ein, wir hatten mein Handy nicht für das Ausland freischalten lassen. Nun war ich leicht aufgeschmissen. Ich kannte nur die grobe Richtung, weil ich den Felsendom sah und ich wusste, dass das Hospiz dort in der Nähe liegt, also ging ich in diese Richtung.
Zwischendurch fragte ich andere Taxifahrer, aber sie kannten es nicht oder taten so, als ob sie es kennen würden und wollten dann 20 $. Doch so blöd bin ich nicht! Ich ging weiter, bis ich vor der Stadtmauer gegen 5.45 Uhr wirklich einen fand, der wusste, wo sich das Hospiz genau befindet. Ich handelte auf 10 € und er befördertete mich direkt vor die Tür. Nun war ich endlich da! Aber auf mein Klingeln hin öffnete niemand. Ich erfuhr von einem Ladenbesitzer, dass das Hospiz erst um 7.00 Uhr aufmacht, also setzte ich mich und wartete.

Sofort kamen drei schwer bewaffnete israelische Soldaten und setzten sich um mich herum. Es war schon ein komisches Gefühl. Ich klingelte noch mal und kam dann endlich rein. Auf der Mauer wartete Waldemar schon auf mich, mit dem Handy in der Hand. Er hatte schon lange auf meinen Anruf gewartet und meinte, ich hätte einfach von unten rufen können, dann hätte er mich gehört. Na ja, wer hätte das ahnen können. Endlich war ich angekommen!!!

Waldemar zeigte mir das Hospiz und die Dachterrasse. Die Terrasse ist einer der höchsten Punkte in der Altstadt von Jerusalem. Man hat einen traumhaften Ausblick über alle Kirchen, Stadtteile und über den Felsendom. Wir gingen Frühstücken und danach zeigte mir Waldemar, wo ich schlafen werde, nämlich im Dormitorium (Schlafsaal). Ich bekam ein Bett am Kellerfenster. In dem Schlafsaal können bis zu 10 Männer unterkommen. Die Frauen haben einen anderen Schlafsaal, weil wir ja in einem erzkatholischen Hospiz sind!


Mein Bett

Das Hospiz war früher ein Hotel für Pilger und später wurde es ein Krankenhaus. Jetzt ist es wieder ein Hotel geworden und befindet sich direkt im islamischen Viertel der Altstadt. Die Altstadt ist in vier Viertel eingeteilt. Ins Christliche-, Islamische-, Jüdische- und ins Armenische-Viertel. Genau gegenüber von uns, steht eine Moschee und 5. Mal am Tag (und einmal immer um 4.45 am Morgen) dröhnen die Mohazein durch die Lautsprecher ins Hospiz rein. In einer unbeschreiblichen Lautstärke!

An jeder Ecke sind israelische Soldaten, Polizisten und Spezialeinheiten. Überall sind Checkpoints, Kameras, Kasernen, Polizeistationen….

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