Einleitung

"Wenn drei Ägypter nur fünf Minuten zusammenhocken, dröhnt Lachen aus ihrem Kreis. Wenn aber Palästinenser beisammen sind, reden sie von Palästina, weinen über dessen Verlust."
       Friedmann Büttner (Palästina verstehen / Sympathie Magazin Nr. 40)

Seit gut einem Jahrhundert herrscht nun im Nahen Osten Feindschaft zwischen den Palästinensern und den Israelis. Es gab zwischendurch immer mal Perioden des Waffenstillstandes, aber die Lage beruhigte sich nie ganz. Seitdem ich klein war, verstand ich diesen Konflikt nicht. Ich wusste nicht warum und wieso diese beiden Völker so in einander verhasst sind. Ich sah immer nur die Bilder im Fernsehen, wie das israelische Militär kämpft oder wie sich ein Palästinenser in die Luft sprengte, aber nicht die Hintergründe und so geht es sicherlich vielen Leuten wie mir. Sie wissen das dort gekämpft wird, aber nichts tiefgründiges. Deshalb entschied ich mich für das so komplizierte Thema "Der Palästina-Israelkonflikt", weil ich zum ersten Mal dahinter blicken wollte warum und wieso.
Ich begann meine Jahresarbeit, wie wohl jeder andere auch, mit der Suche nach Informationen. Das Problem bei dieser Arbeit war, einen praktischen Teil zu finden. Bis unser Theaterdramaturg von der Waldorfschule Kiel, Herr Becher, mich auf die Idee brachte, doch nach Palästina-Israel zu reisen, weil er unten einen Freund hat, der dort Direktor einer Schule ist. Das klappte leider nicht, aber die Idee ließ mich nicht los. Im Internet schrieb ich jeden an, der mir evtl. hätte weiterhelfen können. Ich traf am Anfang nur auf negative Resonanzen. Jeder riet mir von meinem Vorhaben ab (z.B. das Auswärtige Amt, die Deutsche Botschaft in Israel und "weiß Gott"). Bis ich Uta Klein und Michael Schlickwei kennenlernte. Beide sind sehr mit dem DIAK (dem Deutsch-Israelischen Arbeitskreis) verbunden. Sie lebten selbst in Jerusalem und kennen dort unten viele Leute, die mir weiterhelfen und mit denen ich auch nach Palästina kommen könnte. Nun waren nur noch meine Eltern da, denen ich meinen Plan vorlegen musste. Mein Vater sagte gleich, dass ich alt genug sei, um zu wissen, was ich tue, aber von meiner Mutter kam sofort ein klares Nein. Genauso reagierten alle anderen Bekannten. Aber ich verfolgte mein Ziel weiterhin unbeirrt.
Zufällig telefonierte meine Mutter mit einer sehr guten Freundin, Helga Schultz, und es stellte sich heraus, dass ihr Mann, Waldemar Schultz, gerade in Jerusalem arbeitet. Waldemar hilft dort als Volontär im "Österreichischen Hospiz" und es gibt dort immer Schlafplätze.

Nun ließ sich meine Mutter überreden, weil eine Vertrauensperson dort vor Ort war. Jetzt traf ich mich also mit Uta Klein und Michael Schlickwei persönlich. Zufällig wohnen sie auch in Kiel. Durch das Zusammentreffen bekam ich die Adresse von Frau Dr. Baumgarten. Sie lebt in Jerusalem und lehrt Politikwissenschaften an der Universität Birzeit (Palästina) und ist beim DAAD, Deutscher Akademischer Austauschdienst, tätig. Durch ihre Publikationen zu verschiedenen Themen des Nahen Ostens hat sie sich international einen Namen gemacht und Anerkennung als profunde Kennerin der Region erworben.
Außerdem habe ich noch die Anschrift von Issa Bishara bekommen, einem Deutschlehrer, der in Jerusalem lebt und in Ramallah (Hauptstadt von Palästina) unterrichtet.
Sie gaben mir, als wenn es nicht schon genug war, noch viele Informationen.
Nach langem Zureden bekam ich die Zustimmung meiner Mutter, aber nicht ihren "Segen", nach Israel zu reisen. Danach wurde in meiner Familie Trübsal geblasen.

Ich telefonierte mit Waldemar in Jerusalem und fragte, wann die günstigste Zeit wäre, runter zu fliegen. Da Waldemars Rückflug in die erste Oktober-Ferienwoche fiel, musste ich mir eine Woche schulfrei geben lassen, damit ich mit Waldemar zurückreisen konnte. Die Schule willigte ein. Ich buchte den Flug und finanzierte die Reise alleine.
Innerhalb von zwei Wochen hatte ich das alles alleine auf die Beine gestellt. Der Reisetermin rückte immer näher und meine Aufregung auch. Das Auswärtige Amt meldete sich nochmals bei mir und meinte, wenn etwas passiert, könnten sie für nichts garantieren! Also musste ich auf eigenes Risiko reisen!
Mir wurde außerdem noch geraten, nichts "Offizielles" aus dieser Reise zu machen und man bat mich, außerdem nicht zu sagen, was ich dort vorhabe. Alle Informationen, die ich über Palästina hatte sollte ich nicht mitnehmen, weil Israel so etwas nicht gerne sieht und ich dadurch Schwierigkeiten bekommen könnte. Ich befolgte den Rat und zog sozusagen "undercover" los.
Der Abschied von zu Hause und von den Freunden war nicht leicht, aber zum Traurigsein war keine Zeit. Der Termin zum Abenteuer kam sehr schnell. Es wartete auf mich Palästina…